Warnung vor "The Proper Mask" (und Co.)

Hinweis: Dieser Beitrag wurde 2024 veröffentlicht. Die "Proper Mask" wird mittlerweile nicht mehr verkauft.
Auf Twitter macht gerade die Proper Mask die Runde.
Wir haben diese Maske mit einem Portacount getestet und festgestellt, dass sie aufgrund einer grundlegend fehlerhaften Konstruktion sehr schlecht abschneidet. Wie viele andere minderwertige FFP2-Masken bietet sie nur minimalen Schutz vor gefährlichen Aerosolen.
Wir raten dringend von der Verwendung von The Proper Mask und vergleichbaren Produkten ab.
Hochwertige "Trifold" FFP2-Faltmasken wie die 3M Aura oder die Dräger 1920 schützen deutlich besser. Wenn eine selbstklebende Maske benötigt wird, zum Beispiel für MRT-Untersuchugen, ist die Readimask eine deutlich Alternative.
Wie das Produkt beworben wird
Der Hersteller stellt in seinem Marketingmaterial und auf der Verpackung eine Reihe vollmundiger Behauptungen auf, zum Beispiel:
- "Best ever tested FFP2 mask."
- "Maximum protection and comfort."
- "Up to 8x safer than regular masks."
- "Gapless sealing."
- "Perfect fit all face types."
- "Reliable protection from micro-particles [...]"
- ...
Als Einsatzgebiete werden unter anderem medizinische Anwendungen, die Zahnmedizin oder "whenever patients need extra protection" genannt.
Die Masken sind als FFP2 CE-zertifiziert und sollen von renommierten Institutionen getestet worden sein, darunter ein Prüfbericht von PALAS und mehrere Tests der Technischen Universität München.
Insgesamt bewirbt der Hersteller diese Maske als besonders sicher und schützend. Unserer Meinung nach ist das eine unzutreffende Darstellung.
Die Maske erfüllt - falls überhaupt - Mindeststandards.
Durchgeführte Tests
Wir haben eine Charge von "The Proper Mask" mit der Losnummer WD23081401 und dem Produktionsdatum 20230814 mit einem werkseitig kalibrierten TSI PortaCount 8048 Fit-Tester getestet.
Der TSI PortaCount ist ein Gerät zur Dichtsitzprüfung (Fit-Test), das anhand der Aerosole in der Umgebungsluft die tatsächliche Schutzwirkung einer Maske im Tragezustand misst, also so, wie sie auf einem echten Gesicht sitzt. Dazu vergleicht es die Aerosolkonzentration innerhalb und außerhalb der Maske, während die Testperson eine standardisierte Abfolge von Übungen durchführt.
Beim Aufkleben der Maske auf das Gesicht der Testperson haben wir uns genau an die Anleitung des Herstellers gehalten. Den Versuch haben wir mehrfach wiederholt.

Mit der Software Fit Pro Ultra von TSI wurde ein Fit-Test-Protokoll ("OSHA FAST-FILTERING FACE") nach OSHA 1910.134 durchgeführt.
Das Gerät lief im "N95-Modus", einem weniger strengen Modus, der mit einem Partikelklassifizierer nur diejenigen Partikel in der Umgebungsluft zählt, die ein FFP2-Filter am wirksamsten zurückhält.
Ergebnisse
Wir haben zwei Tests durchgeführt, die eine Gesamtleckage nach innen von 20% (harmonischer Mittelwert des Fit-Faktors: 5) bzw. 9% (HMFF von 11) ergaben. Trotz des großen Unterschieds im Fit-Faktor gab es keine sichtbaren Lücken oder ähnliche Anzeichen für einen mangelhaften Dichtsitz. Die Testperson konnte keinen Unterschied feststellen; die Maske fühlte sich sehr bequem und gut sitzend an.
Fehlerhafte Konstruktion
Die Maske besteht aus einem blauen Vlies mit Klebeschicht (blau) und einem darauf aufgeklebten elektrostatischen Filtermaterial (weiß):

Leider ist diese Konstruktion (wie auch schon andere festgestellt haben) grundlegend fehlerhaft.
Außenluft kann den blauen Teil durchdringen, sodass zwischen Gesicht und Filtermaterial eine große Lücke bleibt, durch die ungefilterte Außenluft in die Maske gelangt. Man sieht sogar das Licht durch die Lücken im Stoff scheinen:

Das ist eine fehlerhafte Konstruktion, die unmöglich guten Schutz bieten kann. Die Bauweise macht es außerdem sehr schwer, die Maske korrekt anzulegen, wie die starke Streuung unserer Testergebnisse zeigt.
Ähnliche Produkte wie die Readimask haben diesen Mangel nicht: Dort bedeckt das Filtermaterial die gesamte Maske, und der Kleber ist direkt auf der gesamten Fläche des Filters aufgebracht. Die Konstruktion der Readimask ist damit auch weniger fehleranfällig, da es keine "Flügel" gibt:

Denselben Test haben wir mit der Readimask wiederholt und im N95-Modus einen Gesamt-Fit-Faktor von 133 erreicht, was einer Gesamtleckage von nur 0,75% entspricht.
Tests des Herstellers
PALAS-Test
Der Hersteller stellt ein Mas-Q-Check-Testergebnis von PALAS bereit. Dabei wurde die Gesamtleckage nach innen der Maske mit einem Prüfaerosol gemessen, während sie auf einen Kunststoffkopf geklebt war:

In diesem Vergleich mit einer nicht näher benannten "Generic FFP2 mask" hatte "The Proper Mask" eine Leckage von 8,5% (ähnlich wie bei einer unserer Messungen), die "Generic FFP2 mask" dagegen eine Leckage von 88,5%.
Daraus (aus einem einzigen Test mit einer einzigen, schlecht abschneidenden Maske) leitet der Hersteller die Behauptung ab, seine Maske sei herkömmlichen FFP2-Masken ("conventional FFP2 masks") überlegen:

Das ist jedoch höchst irreführend: Hier wurde als Vergleich offensichtlich eine besonders schlechte "FFP2-Maske" herangezogen, welche die FFP2-Norm gar nicht erst erfüllt.
Die Behauptung, es handele sich um die "beste je getestete FFP2-Maske", die "8x sicher als andere Masken" ist, lässt sich so jedenfalls nicht belegen.

TU München
Der Hersteller behauptet außerdem, es seien mehrere Studien an der TU München durchgeführt worden. Wir konnten keine entsprechenden Veröffentlichungen der TUM finden; laut Hersteller befasst sich eine mit der Atmungsaktivität unter hoher körperlicher Belastung und eine andere mit dem Rückhaltevermögen des Filters.
Auch das ist irreführend, da diese Studien nur den Atemwiderstand und die Leistung des Filters ohne den Rest der Maske drumherum bewerten. Die Sicherheit der Maske selbst wurde überhaupt nicht bewertet.
Diskussion
Die von uns festgestellte Leistung des Produkts passt nicht zu den Behauptungen des Herstellers.
"The Proper Mask" kam in unseren beiden Tests auf eine Gesamtleckage nach innen von 9% und 20%. Die FFP2-Norm verlangt eine Gesamtleckage nach innen (Leckage am Dichtsitz + Filterdurchlass) von höchstens 8%.
Dabei ist die FFP2-Norm sehr großzügig. Moderne, hochwertige FFP2-Masken erreichen deutlich bessere Werte, als die Norm verlangt. 3M Aura, Dräger 1920 oder 3M VFlex zum Beispiel erreichen im N95-Modus regelmäßig Fit-Faktoren von 200 und mehr (<0,5% Leckage).
Unserer Ansicht nach ist The Proper Mask - wie viele ähnliche minderwertige FFP2-Masken im "Kaffeefilter"-Stil - unsicher und als Schutz vor gefährlichen Aerosolen ungeeignet.
Interessenkonflikte
Wir sind eine nicht-kommerzielle Forschungsgruppe und werden für unsere Untersuchungen nicht bezahlt. Wir stehen in keinerlei Verbindung zu Maskenherstellern und haben auch keine vergleichbaren Interessenkonflikte.